Antiquariat in Nürnberg: Deuerlein Buch Wein Caffè Antiquariat Buchhandlung Verlag
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20 | 19-2008 börsenblatt
70 Quadratmeter
Italien
Die gefühlte Lage: In einer
italienischen Kleinstadt,
wo die Mitarbeiter der
umliegenden Büros morgens mit
knappem Gruß in der Bar an der
Piazza ihren »Caffè« ordern –
während die Espressomaschine
im Rhythmus der Bestellungen
zischt und dampft. Die tatsächliche
Lage: mitten in Nürnberg
und so »deutsch«, wie es nur
geht – schräg gegenüber der Sparkassenfiliale
und am Rande einer
Altstadt, die nicht zuletzt durch
den berühmt-berüchtigten Christkindlmarkt
als Synonym für »German
Gemütlichkeit« gilt.
Seit vier Jahren betreibt Thomas
Deuerlein hier, in der Lorenzer
Straße 33, sein Antiquariat, das
gleichzeitig Vinothek und Kaffeebar
ist. Mit »Caffè coretto«, einem
Gläschen »Dolcetto« oder den süßen
»Pasticcini« stillt er die Italiensehnsucht
vieler Nürnberger –
und ein Stück weit seine eigene.
Der Laden, 70 Quadratmeter
klein, ist im so genannten Marientorzwinger
von 1913 untergebracht.
Früher war hier ein Pissoir
(die halbrunde Nische dient heute
als Durchreiche für den Kaffee),
später der Sitz der Traditionsbuchhandlung
Carl Koch. Als Deuerlein,
gelernter Buchhändler und
seit 1995 als Antiquar selbständig,
hier einzog, musste er erst mal
gründlich renovieren: Den offenen
Bogengang vor dem Ladenlokal
Auch die Vitrinen kann
man hier kaufen: Bis zur
Decke stapeln sich die
Bücher im Laden,
daneben brodelt die
Espressomaschine, ein
Nachbau der E 61 von
Faema. Seinen »Caffè«
serviert Inhaber Thomas
Deuerlein stilgerecht mit
einem Glas Wasser
Text: Sabine Cronau
Fotos: Günter Distler
Management sortiment
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Gastronomie Deuerlein hat den besten Espresso der
Stadt. Sagen die Nürnberger, die dort auch Bücher und
Wein kaufen. Mit seinem detailverliebten Mischkonzept
trotzt das Antiquariat den Turbulenzen des Marktes.
ließ er verglasen, auf dem Boden
getrommelten Marmorbruch verlegen.
Bei den Kosten griff die
Stadt dem Buchhändler unter die
Arme. Ihr war es keineswegs egal,
wer das schmucke Bauwerk vis-àvis
der Kunsthalle bezieht – und
Deuerlein überzeugte mit seinem
Mix aus »Librothek, Espressothek,
Vinothek«.
Trotzdem kam er nur auf Umwegen
ans Ziel: Denn für sein gastronomisches
Angebot braucht er
eine Mischkonzession. Der Weinausschank
erfordert separate Kunden-
und Personaltoiletten. Außerdem
sollte Deuerlein für die
fehlenden Parkplätze eine stattliche
Ablösesumme zahlen: »Das
ist in dieser Höhe nicht drin«, signalisierte
er damals klipp und klar
der Stadt. Und fand Unterstützung
an anderer Stelle: bei der
städtischen Wirtschaftsförderung,
die sich für sein Konzept starkmachte
und die Auflagen in
Schach hielt.
Dann kam das Internet
Heute holt Deuerlein mit dem
Cafébetrieb die monatlichen Fixkosten
rein – und hat damit sein
Ziel erreicht. Denn ganz freiwillig
ist er, bei allem Spaß an gutem Espresso
und gutem Wein, nicht
zum Gastronomen geworden. Es
war das wegbrechende Antiquariatsgeschäft,
das ihn nach Alternativen
suchen ließ. »Früher bin ich
morgens durch die Gegend gefahren,
um Bücher aufzukaufen
– nachmittags kamen dann meine
Stammkunden, die tütenweise
Ware mitgenommen haben«, erinnert
sich Deuerlein. Dann
boomte das Internet – und alles
wurde anders. Jetzt ist es nicht
mehr sein gutes Gedächtnis für
Kundenwünsche und Suchaufträge,
das den Geschäftserfolg ausmacht,
sondern die Präsenz in
Online-Datenbanken. Im Laden
selbst geht nur noch selten
Deuerlein
Gegründet: 1995,
2004 Umzug in die
Lorenzer Straße 33
Inhaber: Thomas
Deuerlein
Fläche: 70 Quadratmeter
in der Lorenzer
Straße (10 000 antiquarische
Bücher).
Dazu das Magazzino
in der Langen Zeile 16
(20 000 Bücher)
Mitarbeiter: zwei
Aushilfskräfte
Sortiment: bibliophiles
und modernes Antiquariat
(Regionalia,
Kunst), dazu Wein,
Kaffeesorten kleiner
Röstereien, Bestellbuchhandlung,
Stehausschank
Kollegen-Anfragen
zum Cafébetrieb
beantwortet Deuerlein
gern unter info@
deuerlein.com.
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ein antiquarisches
Buch über die Theke.
Die dunklen Glasvitrinen,
wandhoch gefüllt
mit 10 000 Schätzen,
sind eher dekorative Tapete
als Umsatzträger.
Dafür hat Deuerlein einen
anderen Weg gefunden,
um damit Geld zu
verdienen: Er vertreibt
die Schränke eines finnischen
Möbelbauers
rund um Nürnberg –
wieder eine kleine Säule, die das
Umsatzniveau stützt.
Auch beim Buch bestellt Deuerlein
neue Geschäftsfelder: Auf
Kundenwunsch ordert er via Barsortiment
seit Kurzem aktuelle Titel,
drei Exemplare von Jonathan
Littells Bestseller »Die Wohlgesinnten
« stehen ohnehin im
Schaufenster. Und im vorderen
Teil des Ladens hält er Modernes
Antiquariat bereit – mal schräg,
mal besonders und bevorzugt zu
Kunst und Kulinaria.
Deuerlein versucht dabei, komplette
Restauflagen
aufzukaufen –
sein Buchangebot soll so unverwechselbar
sein wie die Kaffeemaschine
im 60er-Jahre-Design und
die hölzerne Registrierkasse. Rigoros
verfolgt der »Barista« sein Exklusivprinzip
beim Wein: Stellt
Karstadt einen seiner Tropfen ins
Regal, mustert Deuerlein die Flaschen
aus – im Schnitt setzt er mit
Wein 25 000 Euro im Jahr um.
Der Coffeeshop nebenan
Über die Konkurrenz muss er
sich kaum Gedanken machen.
Dass Thalia mit dem Buchhaus
Campe gerade eine neue Großfläche
in der Fußgängerzone bezogen
hat (natürlich mit Café), stört
Deuerlein ebenso wenig wie die
2001-Filiale drei Häuser weiter:
»Im Gegenteil, ich würde mir hier
eher mehr MA-Anbieter wünschen
– im Stil der alten Zunftstraßen.
« Einen Schreck bekam er
nur, als eine Bäckerei direkt neben
seiner Bar einen der üblichen,
braun-beige möblierten Coffeeshops
eröffnete. Inzwischen kann
Deuerlein dem Nachbarn sogar
Gutes abgewinnen: »Der spült
auch einige Kunden zu mir rein.«
Einmal im Jahr ist der Buchhändler
ohnehin völlig konkurrenzlos
– mit seinem Stand auf dem Christkindlmarkt.
Dort setzt er der »Bratwurst-
und Glühwein-Mafia«
Regionalia
und Kinderbücher entgegen
– einige davon, etwa der
Führer »Lust auf Bücher. Nürnberg
für Leser«, erscheinen im eigenen
Verlag Tom Deuerlein.
Flagge und Flair zeigen, das ist
Deuerleins Modell im Online-Zeitalter.
Ob Prosecco Frizzante, Edelschokolade,
frisch gerösteter Kaffee
oder Ida Bohattas Kinderbücher
in Erstauflage – für sein ganzes
Sortiment gilt: »Ich muss hinter
den Produkten stehen, um sie gut
zu verkaufen.« Deuerleins Fachkompetenz
wird honoriert: »Der
Feinschmecker« kürte seinen Laden
zu Deutschlands Topadressen
für Wein, und auch dem »Merian«
ist Deuerlein einen Eintrag wert –
für den »perfekten Espresso«, der
mit Wasser gereicht und mit 1,40
Euro fair kalkuliert wird. Was die
Nürnberger längst wissen. b
So schön nostalgisch:
Unter der Decke
funkelt der
Kronleuchter, auf
den Tischen stapelt
sich MA-Ware – bei
Deuerlein in Nürnberg
passt das Besondere
gut zum Schnäppchen.
Wein gehört auch dazu
Mitgliedschaft in Verbänden und Vereinen:

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